Interview mit Konstantin Andreev

Konstantin Andreev – Gründer von Comedy Battle Deutschland

Im Interview verrät Konstantin Andreev (33), Gründer von Comedy Battle Deutschland, zwar nicht viel über seine Favoriten für das Finale am 2. November 2014 (Badnerlandhalle, Karlsruhe), plaudert dafür aber ein bisschen aus dem Nähkästchen des Vereins, der hinter der Organisation steht und erklärt, was es mit Comedy Battle auf sich hat.

 

Konstantin, Du hast Comedy Battle nach Deutschland gebracht, bzw. die deutschsprachige Organisation gegründet?

Es waren schon zwei, drei Leute, welche die Idee dazu hatten. Ursprünglich ist Comedy Battle ein russisches Format. Das gibt es auch hier in Deutschland schon seit 2003, aber eben russischsprachig. Wir haben lange mit dem Gedanken gespielt, das Format ins Deutsche zu bringen. Irgendwann waren wir bereit und so ist 2013 Comedy Battle auf Deutsch gestartet.

 

2014 gab es dann die erste offizielle Comedy Battle Saison auf Deutsch, was nimmst du für Erfahrungen mit?

Es gibt vieles, was ich gelernt habe, vor allen Dingen, wie sich das deutsche Publikum vom russischen unterscheidet. Aber da haben wir alle noch nicht ausgelernt und müssen uns noch anpassen. Wir hatten auch schon in der ersten Saison gleich zwei Teams, die nicht vom russischsprachigen Comedy Battle stammen. Das war für uns ein riesiger Erfolg. Außerdem haben wir es geschafft die Wettbewerbe so zu organisieren, dass wir wirklich viel positives Feedback bekommen haben. Diesen Schwung wollen wir in die Saison 2015 mitnehmen.

 

Ihr seid also für Entwicklungen des Formats offen?

Wir haben uns vieles angesehen und wollen davon mitnehmen, was zu uns passt. Das sind z.B. Science Slam, Kabarett, Improtheater. All das wäre als Einzeldisziplin innerhalb eines Wettkampfs zu Comedy Battle denkbar. Comedy Battle ist entwicklungsfähig und wir wollen dem Publikum etwas bieten. Das einzige, was uns wichtig ist: Es muss lustig sein.

 

Ihr spielt pro Wettkampf mehrere Disziplinen, sind diese festgelegt, oder können sie variieren?

Das variiert von Spiel zu Spiel, sowohl in der Anzahl als auch darin, welche Arten von Disziplinen gespielt werden. Ich habe Wettkämpfe erlebt, da waren es zwei Disziplinen, in anderen acht. Es können Sketsch-Programme, Spontanschauspiel oder musikalische Beiträge gefordert sein – alles ist denkbar. Unsere Teams erfahren in der Regel zwei Monate vor dem Spiel, worauf sie sich vorbereiten müssen.

 

Du hast ja auch selbst gespielt, war das dann noch in Russland, bzw. wo kommst du ursprünglich her?

Ich komme eigentlich aus Kirgistan und habe dort schon drei Jahre Comedy Battle gespielt. Nachdem ich nach Deutschland kam, habe ich mich sofort umgesehen, ob es hier die Möglichkeit gibt weiterzumachen. Tatsächlich gab es eine Organisation und ich habe in Karlsruhe eine Mannschaft gegründet. Nach zwei, drei Jahren waren wir zum ersten mal Meister in unserer Liga, sogar zwei mal hintereinander dann. Zwischenzeitlich haben wir dann auch in der Ukraine gespielt, sogar im Fernsehen. Von da ging es weiter ins russische Fernsehen. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, wo wir uns fragen mussten, ob wir professionell weitermachen wollen. Letztlich aber wollten wir nicht alles, unser Studium usw., aufgeben und entschieden uns aufzuhören. Danach fing ich an in der russischsprachigen Organisation in Deutschland mitzuarbeiten und leite sie heute, wie genau die deutschsprachige.

 

Wie viele russischsprachige Teams gibt es denn in Deutschland?

Es gibt jedes Jahr ein europäisches Festival in Hamburg, da waren es zuletzt 23 Teams aus ganz Europa. Derzeit werden es aber immer weniger Mannschaften, weil die neue Generation eher deutsch spricht und bei uns eher junge Leute mitspielen.

 

Ihr hattet jetzt in der Saison 2014 bei Comedy Battle Deutschland mit zwei Halbfinalen begonnen, wie viele sind es im russischsprachigen?

In Deutschland fangen wir auf russisch mit dem Viertelfinale an, in Russland bereits ab dem Achtelfinale. Im deutschsprachigen Comedy Battle wird es nächstes Jahr auch wieder zunächst Halbfinale geben. Wir hoffen aber 2016 ein Viertelfinale einzuführen, oder vielleicht zwei parallele Saisons zu veranstalten: Eine für Erfahrene und eine Nachwuchsteams.

 

Wie ist das Publikum bei Comedy Battle Deutschland so strukturiert, sind es mehr Leute die vom russischsprachigen kommen und eben auch deutsch sprechen oder Menschen mit deutschsprachigem Hintergrund?

Es sind tatsächlich mehr Deutsche, ich würde sagen 70%. Das hat uns sehr gefreut.

 

Spielst du selbst noch mit?

Nein, da fehlt mir die Zeit. Es geht ja nicht nur um die Organisation, sondern auch darum die Teams künstlerisch zu betreuen. Manchmal vermisse ich es aber schon.

Machst du deine Arbeit für Comedy Battle mittlerweile hauptberuflich?

Ich stecke zumindest fast meine ganze Zeit in das Projekt, auch wenn ich derzeit noch nichts daran verdiene. Andererseits sind wir ja auch keine kommerzielle Organisation, sondern ein Jugendprojekt, mit dem wir versuchen Jugendliche für die Comedy zu begeistern. Wir sind keine Firma, sondern ein gemeinnütziger Verein. Es geht hier nicht um Profi-Comedy, sondern jeder kann mitmachen, jeder bekommt eine Bühne. Ich habe auch irgendwann mal klein angefangen und hatte keine Ahnung, aber man gewinnt Erfahrung, verbessert sich und hat Spaß dabei.

 

Wie arbeitet ihr im Vorfeld eines Wettbewerbs mit den Teams?

Bei uns ist jeder Auftritt eine Weltpremiere, für jede Runde muss ein neues Programm geschrieben werden. Vor den Spielen assistieren wir den Teams in der Ausarbeitung ihrer Ideen. Normalerweise bekommen wir spätestens zwei Wochen vor einem Spiel ein Drehbuch der Mannschaft, sehen uns das an und arbeiten dann ein paar Tage vor dem Wettbewerb mit den Mannschaften am Feinschliff.

 

Ihr veranstaltet auch Workshops, was kann man sich darunter vorstellen?

Wir möchten dort neue Leute für unser Format begeistern und zeigen dort die Comedy-Methoden, die wir anwenden und von denen wir wissen, dass sie funktionieren. Dieses Jahr konnten wir in zwei Workshops drei Teams gewinnen, von denen zwei auch diese Saison direkt mitgespielt haben.

 

Außerdem veranstaltet ihr ja am 22. Februar 2015 wieder ein Comedy Battle Festival im Tollhaus Karlsruhe, wo sich Talente auf der Bühne präsentieren und sich für die neue Saison qualifizieren können. Was kannst du dazu sagen?

Ja, da freuen wir uns sehr drauf. Beim Festival gibt es erst einmal wenige Regeln, es muss nur lustig sein und mindestens zu zweit aufgetreten werden. Eine Jury entscheidet dann über den Sieger und wir sprechen dann mit den Teams über ihren Start in die reguläre Saison. Wir sind total offen für andere Comedy-Formate und wollen einfach ein Best-Of von vielen Disziplinen schaffen. Wir fänden es toll, wenn viele Menschen aus unterschiedlichen Bereichen teilnehmen.

 

Ganz aktuell, am 2. November 2014 steigt ja das diesjährige Finale von Comedy Battle Deutschland in der Badnerlandhalle in Karlsruhe. Ihr habt vier Teams im Programm, auch zwei die nicht vorher schon in der russischsprachigen Variante aktiv waren. Wie zufrieden seid ihr mit den Mannschaften, die nun im Endspiel antreten?

Wir sind wirklich sehr zufrieden. Für mich gibt es zwei klare Favoriten, die ich aber hier nicht nennen werde. Alle vier haben die Möglichkeit das Publikum zu begeistern. Das eine Team ist besser im Schauspielern, das andere hat mehr Wortwitz und zieht die Leute damit auf seine Seite. Authentizität ist das Wichtigste. Es wird sehr, sehr spannend, das ist sicher.

 

Danke Dir Konstantin für das Interview! Ich freue mich auf das anstehende Finale 2014!
Das Interview führte Pascal Bremmer

www.soup-du-jour.de

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